Autor Thema: Was ist Arbeit bei Hunden?  (Gelesen 3823 mal)

Offline Oscar

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« am: März 31, 2013, 10:48:03 Vormittag »
Hier eine interessante Aussage von Eberhard Trumler:

Ein Hund , der nicht arbeiten darf, stumpft ab, verkümmert seelisch und ist eine bedauernswerte Kreatur.

Was versteht Ihr alles unter Arbeit?

Sigrid und 4 BCs

Offline Dodo

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #1 am: März 31, 2013, 11:50:17 Vormittag »
Hmmmm ganz eng genommen, dass er seine genetische Veranlagung ausleben darf bzw. einen Ersatz erhält der dies ausgleichen kann.

Hütehund hüten, Jagdhund jagen etc... Eben im jeweiligen Bereich wofür sie gezüchtet wurden.

Regine

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #2 am: März 31, 2013, 13:24:57 Nachmittag »
*Arbeit* ist ein Wort, eine Definition und eine Erfundung des Menschen.

Ich würde sagen, ein Lebewesen, welches nicht nach seiner Natur leben darf, verkümmert. Ansonsten schließe ich mich Dodo an.

Offline Karl Klaus Brendel

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #3 am: März 31, 2013, 13:37:07 Nachmittag »
:4:    :4:    :4:
" Früher war die Luft sauber und der Sex schmutzig.Heute ist es umgekehrt.
 Georg Bruns 1896-1996

Offline Irina

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #4 am: März 31, 2013, 20:08:49 Nachmittag »
mmmmh... mal so ganz unabhängig von Border Collies und anderen Spezialisten: Die meisten Hunde, die ich kenne, haben sich Jobs gesucht oder bekommen.
Der Hund meiner Freundin hatte, als sie ihn bekam, den Job, sich in die Leine zu hängen und Hunde anzupöbeln. Und sie machte wirklich den Eindruck, daß eigentlich ganz doof zu finden aber so ein Job muß ja nun mal gemacht werden.
Die Eurasier meiner Eltern gehen früh mit zum Briefkasten und holen die Zeitung. Meine Eltern wohnen am Wasser und meine Mutter findet Ruderer im großen und ganzen unhöflich und doof. Die Eurasier stürzen bei jedem Ruderboot wild kläffend ans Ufer. Paddelboote sind ihnen egal .... (und erst durch dieses Verhalten ist meiner Mutter klar geworden, daß sie Ruderer auch doof findet). Auch da denke ich, daß es nicht einfach eine Unart ist sondern daß sie es für ihre Aufgabe halten.

Ich glaube, daß Hunden Arbeiten und Arbeitsteilung einfach mal mitgegeben ist. Und "Menschenlesen" auch. Und ich denke, daß Arbeit bei Hunden Teil des Lebens ist. Da ist "Grundstück bewachen" oder auch einfach "Hausschuh bringen wenn Herrchen nach Hause kommt" eher ein Job als einmal in der Woche Hundeplatz.

Was für welchen Hund "Arbeit"(und auch angemessene, erfüllende Arbeit) ist, ist wohl sehr individuell.

Offline mutti-07

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #5 am: März 31, 2013, 20:35:18 Nachmittag »
Meine Tibis haben ganz verschiedene Aufgaben.

Die 2 1/2 jährige Yuma (haben wir aber erst mit 2 Jahren von einer Züchterin übernommen) hat die schwerwiegende Aufgabe auf der Couch zu hocken und nix zu tun. Ev. mal noch (langsam) mit Gassi zu gehen.
Eig. echt traurig für einen Hund in seinen besten Jahren. Aber sie hat es nie anders gelernt. Schade.

Unsere Lilli, 11 Monate, hat die wertvolle Aufgabe die ganze Familie mit ihrer guten Laune anzustecken, durch die Gegend fetzen und zeigen das sie scheinbar recht glücklich ist und und mit ihren persönlichen "will to please" alles was man ihr zeigt super schnell zu lernen. Jaja, das können nicht nur BC.
Ach - und ganz rassetypisch muss sie, wenn ich nicht aufpasse auf der Couchlehne sitzen und Meldung machen, wenn sich Leute dem Haus nähern.
Übrigens auch ein Hund der als Welpe zur Ruhe gezwungen werden musste.
Liebe Grüße
 Anja

Offline frolleinvomamt

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #6 am: März 31, 2013, 21:35:50 Nachmittag »
Zitat
Ein Hund , der nicht arbeiten darf, stumpft ab, verkümmert seelisch und ist eine bedauernswerte Kreatur.
Ich würde Arbeit nicht in unserem Sinn als Berufstätigkeit interpretieren, sondern als Aufgaben, die der natürlichen Bewegungsfreudigkeit und Intelligenz des Hundes entsprechen.
Irgendwo hab ich mal eine Studie gelesen, dass Hunde, die nur ihren Garten kennen, verblöden.

Und wer schon mal einen Border beim Hüten gesehen hat oder manche Hunde beim Agility usw., weiß, wie Spaß an Beschäftigung aussieht.

Zitat
Ich würde sagen, ein Lebewesen, welches nicht nach seiner Natur leben darf, verkümmert.
Dann sind alle berufstätigen Menschen verkümmert, denn der Mensch als solcher ist von Natur aus faul. :D
Wie war das doch bei den Jägern und Sammlern? Die haben zwei Stunden pro Tag mit dem "Broterwerb" verbracht. Das sitzt genetisch noch in uns drin. ;)
Johanna mit Betsey und Crazy (in den ewigen Jagdgründen, doch unvergessen: Paula, Willi, Karlheinz, Tapsi)

Offline Islay

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #7 am: März 31, 2013, 21:45:34 Nachmittag »
Ich glaube, wir tun unseren Hunden sehr unrecht, wenn wir ihr "Glück" über unsere Auffassung von Arbeit definieren.

Die Streuner, die ich in Rumänien gesehen haben, wirkten ausgelastet und entspannt, keinesfalls verkümmert oder stumpf. Und das ganz ohne Clicker, Dummy, Nasenarbeit oder anderes Beschäftigungsprogramm.... ;)
Ein angemessenes soziales Umfeld, genug Bewegung und "Abwechslung" lasten wohl die meisten Hunde aus, selbst die sogenannten "Arbeits"rassen.

Nur können wir das in dieser Gesellschaft kaum leisten und müssen uns daher mit "Beschäftigungs-Krücken" behelfen.
Unterstelle nie Bosheit, wenn etwas mit Dummheit hinreichend erklärt werden kann.

Offline Sanna

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #8 am: März 31, 2013, 22:09:09 Nachmittag »
Och, das ist originär wie bei allen Lebewesen: soziale Interaktion, Nahrungsbeschaffung, Fortpflanzung, Aufzucht der Brut... das Überleben der Spezies sichern. Und dann kam der Mensch (dazwischen), übernahm einige dieser Aufgaben, reglementiere andere und machte sich den Hund zunutze. Heisst: substituierte Aufgaben wie Nahrungsbeschaffung. Dafür musste der Hund dann mit ihm jagen, kuscheln oder seine Schafe hüten. Mal kurz zusammen gefasst.

Sanna
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Offline Liv

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #9 am: März 31, 2013, 22:23:28 Nachmittag »
Meine Meggie hat:
1. das Überflugverbot unseres Grundstückes kontrolliert. (Kein Habicht hätte hier je ein Huhn bekommen!)
2. aufgepasst, dass keiner unbemerkt aufs Grundstück kommt
3. Meine Enkelin bewacht.
4. Menschen, die ihr nicht angenehm waren weggeguckt, oder weg-erschreckt
5. Schafe mal zusammengetrieben, und (mässig) remitente zur Ordnung gerufen (Meggie war ja schon alt, als ich sie mal an den Schafen laufen lies) Im Prinzip also das was ein Mudi können soll: Aufpassen und wachen wie der Spitz, und das Vieh treiben oder holen können.
6. andere Hunde von Aruna weggehalten, wenn diese Aruna "aufs Korn" genommen haben.
7. Grunderziehung des Collies nach Nijbor. Er musste hinten laufen ;)
8. aufpassen, dass Joe nicht den Gelben Sack aufreisst und in der gessamten Wohnung verteilt, was nach ihrem Tiod, wiederum Joes job war, bis mein Mann den Job bekam: Bau endlich eine Tür vor dem Müll:108:
9. andere Hund anpöbeln oder später nur noch fiess angucken, damit die ausrasten und sie in "Notwehr" zurückschlagen konnte;)
10. immer dagewesen zu sein wo ich bin.
11. mich eine Zeitlang beim Agi zu begleiten, weil ich das toll fand
12. mich 12 Jahre lang zu erfreuen mit ihrer Anwesenheit
13. mich dazu gebracht, ein grosses Leid zu ertragen, anzunehmen und zu akzeptieren


LG Heike

Offline Irina

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #10 am: April 01, 2013, 10:02:11 Vormittag »
Zitat von: Sanna;428784
Und dann kam der Mensch (dazwischen), übernahm einige dieser Aufgaben, reglementiere andere und machte sich den Hund zunutze.

Dazu habe ich ja was Spannendes gelesen. Eine Gruppe aus Australien hat eine Theorie aufgestellt, basierend auf DNA-Datierung von Hunden. Wenn man schaut, wann Hund und Wolf sich voneinander getrennt haben, könnte diese Zeit viel weiter nach hinten rücken als man angenommen hat durch Datierung von Knochenfunden (als der Hund schon Hund war und der Knochenfund in der Siedlung - Wolfsknochen knapp außerhalb findet man schon länger). Diese Gruppe sagt jetzt, Hunde hätten sich schon vor 300.000 Jahren vom Wolf entfernt - wenn ich mich an die Zahl richtig erinnere - auf jeden Fall grob zu der Zeit, in der Homo Sapiens entstand. Menschen machen einiges anders als alle anderen Primaten - was sie sich von Wölfen abgeguckt haben könnten. Z.B. Jagen im Rudel mit verschiedenen Jobs - Arbeitsteilung also. Oder Zuneigung zu (Sorge um/für) andere(n) als den Verwandten ersten Grade - Freundschaft. Das Gehirn von domestizierten Tieren wird kleiner als das der wildlebenden Verwandten - ist beim Hund der Fall und auch beim Menschen. Der Hund / Wolf hat uns einen Teil des Denkens überlassen und wir ihm einen Teil Sehen/Riechen/Hören.
Paßt hier nur am Rande hin aber demnach war der erste und wichtigste Job des Hundes, uns zum Menschen zu machen.

Offline Vera

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #11 am: April 01, 2013, 13:10:38 Nachmittag »
Zitat von: Irina;428818
Dazu habe ich ja was Spannendes gelesen. Eine Gruppe aus Australien hat eine Theorie aufgestellt, basierend auf DNA-Datierung von Hunden. Wenn man schaut, wann Hund und Wolf sich voneinander getrennt haben, könnte diese Zeit viel weiter nach hinten rücken als man angenommen hat durch Datierung von Knochenfunden (als der Hund schon Hund war und der Knochenfund in der Siedlung - Wolfsknochen knapp außerhalb findet man schon länger). Diese Gruppe sagt jetzt, Hunde hätten sich schon vor 300.000 Jahren vom Wolf entfernt - wenn ich mich an die Zahl richtig erinnere - auf jeden Fall grob zu der Zeit, in der Homo Sapiens entstand. Menschen machen einiges anders als alle anderen Primaten - was sie sich von Wölfen abgeguckt haben könnten. Z.B. Jagen im Rudel mit verschiedenen Jobs - Arbeitsteilung also. Oder Zuneigung zu (Sorge um/für) andere(n) als den Verwandten ersten Grade - Freundschaft. Das Gehirn von domestizierten Tieren wird kleiner als das der wildlebenden Verwandten - ist beim Hund der Fall und auch beim Menschen. Der Hund / Wolf hat uns einen Teil des Denkens überlassen und wir ihm einen Teil Sehen/Riechen/Hören.
Paßt hier nur am Rande hin aber demnach war der erste und wichtigste Job des Hundes, uns zum Menschen zu machen.

Dasjacool. Wo kann man sowas nachlesen?
Grüße von Vera mit Jayda und Trudy

Offline Irina

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Was ist Arbeit bei Hunden?
« Antwort #12 am: April 01, 2013, 15:16:20 Nachmittag »
Ich hab's aus Temple Grandins "Animals in Translation" (sehr empfehlenswert)

Die DNA Untersuchung ist von der UCLA - R.K. Wayne et. al. "Multiple and Ancient Origins of the Domestic Dog", Science 176
(und natürlich war meine Erinnerung falsch: Sind "nur" ca. 100.000 Jahre)

Von den Australiern habe ich leider nur das: http://lhttp://info.anu.edu.au/mac/newsletters_and_journals/anu_reporter/_pdf/vol_29_no_01/dogs.html

und dann hab ich noch das hier gefunden (aber noch nicht gelesen) - gibt es über Google Scholar:
Co-Evolution of Humans and Canids: An Alternative View of Dog Domestication: Homo Homini Lupus?


Es gibt da ja auch die Theorie, daß Hunde (heute) einfach Sozialschmarotzer sind. Die Sprechen unsere Emotionen an und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt.
Einer meiner früheren Hunde konnte das besonders gut. Und zwar so, daß sie an der Uni einen großen Raum mit Studenten kurz gescannt und dann ihr Opfer mental so beeinflußt hat, daß es in die Cafeteria ging und ihr ein Wurstbrot gekauft hat. Das hat sie regelmäßig gemacht und sie hat nie einen langen Blick an den falschen verschwendet. Sie war auch gar kein niedlicher Hund oder hat den Kopf drollig schiefgelegt.... wenn es mal nicht geklappt hat, gab es zumindest eine Kuscheleinheit.

Was versteht Trumler denn unter "Arbeit" für einen Hund?